Samstag, 7. Oktober 2017

Schreibmeer-Umfrage zum Thema FanFiction

Im großen, großen Universum der Autoren gibt es so einige Themen, die sehr stark mit Vorurteilen und Klischees zu kämpfen haben. Eines davon sind die FanFictions. Seit ich näheren Kontakt mit Autoren habe, die eben jene literarische Werke verfassen, wächst auch mein persönliches Interesse, herauszufinden, wie die öffentliche Meinung zu FanFictions und ihren Autoren tatsächlich aussieht und möglicherweise unbegründete Vorurteile zu beseitigen bzw. einen neuen Blick auf FanFiction-Autoren und ihre Geschichten zu schaffen.

Passend zu unserem Themenmonat „FanFiction“ habe ich diese Umfrage – nicht ohne Grund auch etwas provokant – gestaltet.



Nachdem ich mir selbst Gedanken über die Fragen und mögliche Antworten gemacht habe, durfte mein Team einen Blick auf sie werfen und ihre Einwände habe ich gerne berücksichtigt und eingearbeitet. Dennoch wurde mir vor allem in der Selfpublisher-Gruppe auf Facebook einiges an Kritik entgegengebracht: Positives wie auch Negatives. Sicherlich, und da bin ich ganz der Meinung der Kritiker, kann eine Umfrage nicht jeden winzigen Bereich und jede kontroverseste Meinung berücksichtigen, dennoch bin ich äußerst zufrieden mit dem Ergebnis.

Überrascht und erschlagen gleichermaßen war ich von der mehr als regen Teilnahme. Hatte ich vielleicht mit 50 Antwortbögen gerechnet, habe ich nun 301 vor mir liegen – wenn auch digital – und bin unschlagbar beeindruckt, welch enorme Reichweite das Schreibmeer einerseits und wie groß andererseits das Interesse an dem Thema scheinbar ist. Also bedanke ich mich an erster Stelle außerordentlich für die Teilnahme!


Demographische Angaben – Wer hat eigentlich mitgemacht?



Die meisten Teilnehmer sind zwischen Mitte 20 und Mitte 30 und weiblich. Es überrascht mich nicht, dass sich die Hälfte der Teilnehmer als Leser und Autor gleichermaßen sehen – schließlich ist das auch die Zielgruppe des Schreibmeers. Dennoch befindet sich ein nicht gerade geringer Teil unter den Teilnehmern, die ausschließlich lesen. Und auch die Zahl derjenigen, die regelmäßig FanFictions lesen, ist mit der Mehrheit stark vertreten.

Aufwändiger herauszufiltern und zeitgleich spannender ist es nun herauszufinden, zu welchem Alter und Geschlecht sich die Leser bzw. Autoren von FanFictions zuordnen lassen, um Klischees zu stützen (oder nicht) oder wie viele der FanFiction-Autoren, die gern Bewertungen für ihre FanFictions erhalten, selbst andere Geschichten bewerten. Dafür habe ich mir ganz altmodisch eine Exceltabelle angelegt – was eine ganze Weile gedauert hat :-D




Wer liest überhaupt FanFictions?




Dass die Verteilung zwischen den teilnehmenden Geschlechtern eher unausgeglichen ist, wird auf den Bildern oben deutlich. Der Anteil männlicher Teilnehmer, die keine FanFictions lesen, liegt bei 14,3%, wohingegen 85,6% angaben, selten (46,4%), regelmäßig (35,7%) oder alles in ihrem Fandom zu lesen, was ihnen unter die Finger kommt (3,5%).

Bei den weiblichen Teilnehmern ist die Aussagekraft etwas deutlicher, da die Beteiligung auch höher war. Hier gaben 4,2% an, gar keine FanFictions zu lesen, während 95,5% der Befragten angaben, selten (22,4%), regelmäßig (54,8%) oder alles in ihrem Fandom zu lesen (18,3%).

Insgesamt lesen also mehr Frauen als Männer Fanfictions, womit das Klischee – platt gesagt – bedient wurde.


Aber wie sieht es mit dem Alter aus? Lesen und Schreiben wirklich nur Teenies FanFictions?


Tatsächlich haben mich die Antworten zum Leseverhalten bezüglich des Alters wirklich überrascht. Aufgrund der geringen Teilnahme der „unter 15-Jährigen“ können wir diese Aussage vermutlich vernachlässigen. Jedoch zeigt sich, dass nur die „über 46-Jährigen“ im Bereich der Nicht-FanFiction-Leser über 4% liegen – sogar weit darüber (30,8%). In dieser Altersklasse verteilen sich die Nicht-, Selten- und Regelmäßig-Leser gleichmäßig unter den Befragten – nur 7,7% der „Über 46-Jährigen“ gaben an, alles in ihrem Fandom zu lesen.

Nicht besonders überraschend ist die Ansammlung der 16-25-Jährigen unter den regelmäßigen FanFiction-Lesern. Allerdings finde ich erstaunlich, dass unter den 16-20-Jähren ausnahmslos jeder schon mal eine FanFiction gelesen hat.


Wie viele Leser bewerten die FanFictions, die sie gelesen haben – und bewerten auch FanFiction-Autoren andere FanFictions?

Diese Frage habe ich mit aufgenommen, da ich den Eindruck habe, dass Bewertungen für FanFiction-Autoren einen ähnlich hohen Stellenwert haben wie Rezensionen für Autoren allgemein. Interessant finde ich – egal in welchem Bereich – wie hoch die Bereitschaft ist, etwas zu geben, was man gern selbst haben möchte. Natürlich ist dies ein Punkt, den man ausführlich diskutieren kann. Ich verstehe es absolut, wenn jemand, der selbst schreibt, lieber keine Rezensionen/Bewertungen schreiben möchte, da er sich nicht als „Alleskönner“ hinstellen mag. Allerdings ist auch jeder Autor ein Leser (hoffentlich). Vielleicht kann man die Frage nach der Pflicht zu einer Rückmeldung noch einmal an anderer Stelle erörtern … Schauen wir uns doch einfach mal an, wie die Bereitschaft in FanFiction-Kreisen aussieht:

Offensichtlich ist, dass die Teilnehmer unserer Umfrage mehrheitlich Bewertungen schreiben. Weniger als ein Fünftel gab an, keine Bewertungen zu schreiben. Des Weiteren ist es der deutlichen Mehrheit wichtig, Bewertungen für ihre FanFictions zu bekommen.

Bei diesen Verteilungen ist jedoch anzumerken, dass diese Fragen häufig nicht eindeutig beantwortet wurden. Einige Teilnehmer gaben an, keine FanFictions zu lesen, kreuzten trotzdem an, ob sie Bewertungen schreiben würden. In Zahlen: 11 Teilnehmer, die keine FanFictions lesen, beantworteten die Frage nach der Bewertung. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus – schließlich ist das hier eine Statistik –, dass niemand jemandem eine Bewertung schreibt, ohne den Text gelesen zu haben ;-)

Ähnlich sieht es bei der Frage nach der Wichtigkeit einer Bewertung für FanFiction-Leser aus. Von 242 Autoren, die irgendwann in ihrem Leben mal eine FanFiction geschrieben haben, haben 265 Teilnehmer die Frage beantwortet.

Kriechen wir mal genauer in die Zahlen und schauen uns die FanFiction-Autoren und -Leser an: Wie ich vermutet habe, ist niemand der Teilnehmer, die keine FanFictions lesen, auf die Idee gekommen, den FanFictions eine Bewertung zu schreiben. Mein Glaube an das Gute im Menschen hat in diesem Punkt gesiegt.

Tatsächlich sinkt die Bereitschaft, Bewertungen zu schreiben, mit dem abnehmenden Leseverhalten:

Unter denen, die alles im Fandom lesen, schreiben nur 1,9% keine Bewertung – dem gegenüber stehen 61,5%, die angaben, den FanFictions manchmal eine Bewertung zu schreiben und mehr als ein Drittel (36,5%), die die Frage klar mit einem Ja beantworteten. Bei den regelmäßigen FanFiction-Lesern nehmen diese Zahlen nur leicht ab; die Zahl derjenigen, die keine Bewertung schreiben, verdreifacht sich auf 7%. Teilnehmer, die angaben, selten FanFictions zu lesen, sind zurückhaltender, was die Bewertungen angeht: Diejenigen, die keine Bewertungen schreiben, haben nun die Manchmal-Schreiber um 4% überholt. Nur noch 11,8% der Leser beantworten diese Frage mit Ja.

Um die folgenden Fragen auszuwerten, schaue ich mir ausschließlich diejenigen an, die aktuell, also häufig und aktuell FanFictions, schreiben; also jene, die nur FanFictions oder FanFictions und eigene Geschichten schreiben.


Wie vielen FanFiction-Autoren ist eine Bewertung ihrer FanFictions wichtig und gibt es einen Unterschied zwischen reinen FanFiction-Autoren und solchen, die auch eigene Geschichten schreiben?

Etwas über die Hälfte (53%) der Teilnehmer gaben an, aktiv (siehe Definition über dieser Frage) FanFictions zu schreiben. Für weniger als ein Drittel von ihnen (27,7%) ist es nicht wichtig, eine Bewertung für ihre FanFiction zu bekommen.

Es wird deutlich, dass diejenigen, die FanFictions und eigene Geschichten schreiben, den Schnitt ein bisschen nach unten bzw. oben ziehen. Wir erinnern uns, sie machen 45,5% aller Befragten aus, denen „nur“ 7,7% gegenüber stehen, die ausschließlich FanFictions schreiben. Letzteren ist zu 87% wichtig, eine Bewertung für ihre FanFictions zu bekommen.


Wie viele FanFiction-Autoren bewerten ihre Kollegen?

Ausgleichende Gerechtigkeit – oder doch nicht?

Um eine genaueren Vergleich zu bekommen, habe ich die zwei Arten der Autoren anteilig gegenüber gestellt. Auf den ersten Blick mit über der Hälfte (52,2%) stechen die ausschließlichen FanFiction-Autoren heraus, denen eine Bewertung wichtig ist und die manchmal eine Bewertung schreiben. Das Interessanteste ist aber, dass ausschließliche FanFiction-Autoren zummindest manchmal Bewertungen schreiben, auch wenn diese ihnen nicht wichtig (13%) ist. Anders sieht es hier bei den Autoren aus, die beides schreiben. 0,7% von ihnen schreiben keine Bewertung, ihnen ist es aber wichtig, selbst eine Bewertung zu bekommen. Erfreulich finde ich, dass, auch wenn ihnen die Bewertung selbst nicht wichtig ist, mehr als ein Zehntel der reinen FanFiction-Autoren und fast ein Fünftel derjenigen, die beides schreiben, den anderen Autoren zumindest manchmal eine Bewertung schreiben. Der Anteil derjenigen, die eine Bewertung schreiben und denen die Bewertung der eigenen Geschichten wichtig sind, ist vergleichsweise gering.


Machen wir uns an die spezielleren und individuelleren Fragen.


Wo werden FanFictions gelesen?

Die meisten FanFictions werden wenig überraschend auf fanfiktion.de/.net gelesen, eine Plattform, die sogar mir etwas sagt, obwohl ich keine FanFictions lese. Außerdem finden Leser neuen Lesestoff auf Wattpad, archiveofourown.org, animexx, auf privaten Blogs, tumblr, my-fanfiktion deviantArt, livejournal, storyhub, twilighted, Stars Library, Bookrix und in verschiedenen Foren. Sehr spannend fand ich auch die Antwort, dass ein Teilnehmer handgeschriebene FanFictions zum Betalesen von einer Kollegin bekommt.


Wenn ja, wo veröffentlichst du deine FanFictions?

Wie anzunehmen, veröffentlicht der Großteil seine FanFictions auf FanFiction.de/.net. Aber auch in Onlineforen teilweise speziellen Fandomforen, Storyhub, Livejournal, Animexx, treknation, deviantart, privaten Blogs, archiveofourown, Wattpad, tumblr, myfanfiction, Quotev, Sweek, offiziellen Webseiten der Buchreihe, Bookrix und im deutschen FanFiction-Archiv sind sie zu finden.

Ein Kernthema der Umfrage beschäftigt sich mit den Vorurteilen über FanFiction-Autoren und -Leser.


Was denkst du über FanFiction-Leser?

Die Antworten waren für meinen Sinn für Gerechtigkeit sehr befriedigend. Manche Teilnehmer der Umfrage denken „nichts“ über Leser von FanFictions, andere schätzen sie als interessante Menschen ein, die die gleichen Interessen wie man selbst auch hat und mit denen man sich gut austauschen kann. Einige Teilnehmer gaben zu, dass man über sie kein pauschales Urteil abgeben kann, da jeder aus seinen eigenen Gründen FanFictions liest und es wie in jedem Bereich solche und solche gibt. Ihnen wird durchaus zugesprochen, dass sie ein erweitertes Interessenfeld haben und sich durch Formfehler weniger schnell stören lassen. Sie sind Menschen, die etwas sehr lieben und das wird grundsätzlich als toll und liebenswert empfunden – auch wenn sie abhängig vom Genre etwas eigen sein können. Sie bleiben gerne etwas länger bei liebgewonnen Figuren und lesen gern über Themen, die nicht als Buch verfügbar sind. FanFiction-Leser werden als Menschen, Gleichgesinnte, gesehen, die Kreativität wertschätzen, die nach mehr von ihren Lieblingscharakteren und alternativen Enden suchen, wenn ihnen der Ausgang des Originals nicht gefallen hat oder mehr wollen, als es hergibt. Sie sind dankbar, den Cliffhanger einer Serie überbrücken zu können, indem sie FanFictions lesen – dabei suchen sie nicht nach literarischen Meisterwerken, sondern wollen das Bedürfnis nach Mehr befriedigen, Spaß, Unterhaltung und Menschen kennenlernen, die sind wie sie und die gleichen Dinge lieben. Einige leben durch diese Geschichten einen liebgewonnen Teil ihrer selbst aus, der sie als Kind fasziniert hat. Jedoch wird auch kritisch hinterfragt, ob es einige FanFiction-Leser gibt, die vielleicht zu sehr in andere Welten eintauchen und so vergessen, dass es auch noch eine Realität gibt.

Mehrheitlich werden sie eher als jüngere Menschen eingeschätzt, was vielleicht an der Begeisterungsfähigkeit liegt, die aus meiner Sicht leider viele erwachsene Menschen verloren haben. Ein Teilnehmer empfindet das Lesen von FanFictions als nachvollziehbar, jedoch ist es für ihn kein „echtes“ Lesen.

Eine meiner Lieblingsantworten ist die, dass einige FanFiction-Leser einfach nur vernarrt in ihre Lieblinge sind und alles nehmen, was sie kriegen können, egal wie klischeehaft und merkwürdig die Pairings sind. Andere wiederum haben hohe Ansprüche und sortieren stark aus. Der Teilnehmer der Umfrage befürchtet hier, dass jene Leser keine Lust mehr auf die Originale haben, weil die FanFictions teilweise sehr gut geschrieben sind. Als Leser selbst gehen ihm aber die immer gleichen Schemas und merkwürdigen Pairings „auf den Keks“. Dennoch werden FanFiction-Leser als kritisch, aber schnell zu begeistern empfunden. Aber eben dieser Enthusiasmus macht die Szene so anziehend.

FanFiction-Autoren schreiben, dass die Leser ihre Geschichten wollen und freuen sich, wenn die Leser ein Feedback hinterlassen, auch wenn es oft nur ein Bruchteil aller ist. Wenn die Leser ein Feedback zur Geschichte hinterlassen, wird es als sehr hilfreich wahrgenommen. Ein Teilnehmer schreibt, dass er entsetzt ist, wie viele Leser auf FanFictions „abfahren“, die richtig schlecht sind, bzw. nicht zwischen jenen und den besseren unterscheiden kann, was als verletzend empfunden wird, weil er sehr viel Arbeit in seine Geschichten steckt.

Ansonsten gilt unter FanFiction-Lesern wie bei allen anderen auch, dass es Leser gibt, die die merkwürdigsten Geschichten lesen, die für einen Teilnehmer „definitiv gegen gute Sitten verstoßen“. Dennoch sind es Leser, die eben ein bestimmtes Genre bevorzugen, genau wie andere Krimis oder Fantasy – trotzdem sind sie ganz normale Menschen. Sie werden als nerdy, aber tolerant bezeichnet. Leser sind eben Leser, egal, was sie lesen. Hauptsache, der Lesespaß ist dabei.


Was denkst du über FanFiction-Autoren?

Es ist gut, dass es Autoren gibt, die FanFictions schreiben, gibt, sonst gäbe es so viele schöne Geschichten nicht. Ich denke, diese Aussage, ist die wichtigste überhaupt und zeigt, wie besonders die Beziehung zwischen FanFiction-Autoren und ihren Lesern ist.

Es ist egal, ob man eigene Werke oder FanFictions schreibt. Letztendlich kommt es darauf an, welchen Anspruch der Autor an sich und seine Geschichte stellt – genau wie bei den Originalen eben auch.

Eine schöne Antwort ist im Prinzip die Steigerung der FanFiction-Leser: Die Autoren wollen ihren Gedanken freien Lauf lassen und bereits abgeschlossene Geschichten fortführen. Sie haben einen Weg gefunden, ihre Geschichten zu schreiben und sie auf eine andere Weise als durch bloßes Veröffentlichen mit der eigenen Fangemeinde zu teilen. Auch unter ihnen gibt es solche, die „gerne jeden mit jedem ins Bett schicken, aber auch jene, die einen neuen Blickwinkel der Geschichte“ betrachten und etwas experimentieren wollen. FanFictions sind ein gutes Mittel, um zu üben und zu schauen, wie man Welten baut, auch wenn diese bereits existieren. Sie versuchen vielleicht auch Ereignisse zu korrigieren, die im Original „falsch“ gemacht wurden oder verarbeiten den Tod eines liebgewonnenen Charakters. Ihnen wird eine ganz besondere Kreativität zugesprochen, fehlende Bausteine und Sinnlücken in einer fertigen Welt zu finden und zu ergänzen. Sie können sich besonders gut in die Charaktere einfühlen und verfügen über ein gutes Gedächtnis, damit keine logischen Konflikte zur Ursprungsgeschichte entstehen. FanFiction-Autoren stehen näher an der Grenze zum Wahnsinn als andere – was absolut positiv gemeint ist. Nur zu lesen, ist ihnen nicht genug, sie wollen mehr. Sie erkennen die Möglichkeiten und ergreifen sie. Außerdem wird ihnen eine große Portion Mut zugesprochen, da es niemanden gibt, der kritischer ist, als ein Fan.

Vielleicht ist es ein Vorurteil, aber es wird so empfunden, dass diese Autoren sich eher weniger mit dem Schreibhandwerk beschäftigen. Wir haben ja gesehen, dass ein Großteil von ihnen sehr jung ist – und egal, was man schreibt, man wird mit jedem Mal besser und je mehr Erfahrung gesammelt wird, desto besser kann man werden. Sie wollen sich ausprobieren und gucken, ob das Schreiben überhaupt zu ihnen passt. Es wäre manchmal besser, schreiben einige Teilnehmer, wenn mehr Autoren ihre Geschichten vor dem Hochladen überarbeiten würden. Auch wird angesprochen, dass es hier Autoren gibt, die zu unrecht bekannt und gehypt werden, oder jene, die ausschließlich ihr Ego durch Bewertungen gestreichelt bekommen wollen oder schreiben, um ihre eigenen Wünsche bezüglich des Pairings usw. zu befriedigen. Manche Leser sind sogar genervt von den vielen Rechtschreibfehlern und unnötigen Sexszenen.

Viele FanFiction-Autoren vergeuden leider ihr Talent, weil sie ihre Geschichten einfach im Internet teilen, anstatt sie einem Verlag anzubieten, denn so könnten viel mehr Leute erreicht werden. Vielleicht spielt auch der Aspekt mit hinein, dass FanFiction-Autoren als unsicher empfunden werden und sich dadurch nicht zutrauen, einfach mal einen Verlag anzuschreiben, aber dennoch Bestätigung suchen. Einige Leser würden sich wünschen, dass sie auch mal Originale schreiben würden. Sie werden nicht als weniger kreativ eingeschätzt, da sie genauso viel Kreativität wie andere Autoren haben, nur gibt es ihre Charaktere eben schon.

In den Antworten erkennt man deutlich die Leidenschaft an der Sache und das rechne ich persönlich den FanFiction-Autoren hoch an: Es ist ihnen egal, dass sie mit dem, was sie lieben, kein Geld verdienen (können), denn sie schaffen damit etwas viel Größeres für sich selbst, ihre Charaktere und damit auch ihre Leser. Natürlich möchte ich diesen Punkt „normalen“ Autoren nicht absprechen, jedoch ist die Motivation dahinter eine etwas andere, denn ich möchte irgendwann vom Schreiben leben können, auch wenn ich mit meinen Geschichten berühren möchte. FanFiction-Autoren ist dies nur unter bestimmten Umständen möglich. Dennoch spricht ein Teilnehmer der Umfrage einen nicht ganz unwesentlichen Punkt an: FanFiction-Autoren machen „nicht nur Werbung für die Originale, sondern sorgen auch für mehr Diversity.“

Auch ein Teilnehmer der Umfrage spricht ihnen seinen großen Respekt für ihre Kreativität und ihr Durchhaltevermögen aus, ein anderer bezeichnet sie als Genies, da sie etwas unentgeltlich und mit viel Herzblut tun. Sie sind zu beneiden, da es schwer ist, sich vorhandene Charaktere anzueignen, sie nicht zu verbiegen und trotzdem etwas eigenes einfließen zu lassen.


Unter den Teilnehmern gibt es einige, die sich an dieser Stelle bei den Autoren bedanken, das reiche ich hiermit einfach mal weiter:
  • Danke, dass du es auch liebst.
  • Schöpfer meines Seelenfriedens *lach*
  • Ich bin ihnen dankbar
  • Einfach super, wie viel Mühe sie sich geben und die Zeit, die investiert wird. Respekt.
  • Cool und kreativ
  • Danke :3 Ihr bereichert mein Leben
  • Hey! Ich bin selbst eine! Wir sind cool!

Ich denke, es ist gut, Vorurteile zu kennen und aktiv etwas dafür zu tun, diese zu widerlegen. Im Selfpublishing wird zum Beispiel dagegen angearbeitet und bekommt zunehmend mehr Akzeptanz in der Welt der Literatur und ich bin stark dafür, dass es auch für FanFictions so einen Trend gibt. Daher einfach mal wertfrei (von meiner Seite) aufgelistet, welche Vorurteile eurer Meinung nach gerechtfertigt und ungerechtfertigt sind.


Welches Vorurteil ist deiner Meinung nach am wenigsten gerechtfertigt?

FanFiction-Autoren/-Leser sind:

  • keine richtigen Autoren
  • können nicht schreiben
  • kennen sich nicht mit Schreibtechiken aus
  • grundsätzlich nur 12-/13-jährige, pubertierende Mädchen, die ihren Schwarm anhimmeln
  • Traumtänzer, die nichts auf die Reihe bekommen
  • extrem fanatisch und können es nicht von der Realität unterscheiden
  • weniger qualifiziert als andere Autoren
  • stehen nur auf Yaoi
  • Nerds und Freaks ohne Sozialleben
  • sind alle gleich
  • Anfänger und schwache Autoren
  • machen sich keine richtige Arbeit
  • faul oder trauen sich keine eigene Welt zu
  • kreischende Fangirls
  • haben kein Talent
  • haben zu viel Freizeit

FanFictions sind:

  • alle ausschließlich pornös sind
  • dazu da, eigene (sexuelle) Fantasien auszuleben
  • handwerklich schlecht geschrieben
  • schlecht durchdacht
  • self-inserts
  • immer nur ein Abklatsch
  • keine wirklich guten Geschichten
  • keine gute Literatur
  • nur aus Jux und Dollerei.
  • alle blöd und bedienen nur die Klischees, die jeder kennt
  • Kinderkram
  • haben einen niedrigen Anspruch an Erzählstrategien, intellektuelem Gehalt, historischer Korrektheit
  • leichter zu schreiben, da es die Charaktere schon gibt
  • minderwertige Geschichten
  • nur dazu da, damit die Autoren als self-insert eine Beziehung zu ihren Lieblingscharakteren zu haben können
  • handeln nur von Schwulensex
  • Geschichtenklau/nur Kopien


Welches Vorurteil trifft deiner Meinung nach am meisten zu?

FanFiction-Autoren/-Leser sind:

  • etwas verrückt und nerdy; kommen manchmal seltsam rüber
  • schreiben drauf los, ohne sich Gedanken über die Handlung zu machen
  • überwiegend weiblich (Autoren)
  • Fangirls, die einen leichten Knacks haben
  • alle ein bisschen verrückt
  • brauchen weniger Phantasie, da Charaktere schon vorhanden sind
  • schreiben gern ihr Wunschbild nieder und achten weniger darauf, dass die Figuren und die Welt stimmig bleibt
  • schreiben fast immer zwei Männer als Paar
  • geben wenig Hate und sind gute Kritiker; nette Community
  • leidenschaftlich
  • größtenteils weiblich (Autoren)
  • verbiegen Charaktere
  • Anfänger
  • schreiben schlechte Pornos
  • blühende Phantasie, die schnell übertrieben viel wird
  • nehmen sich zu ernst (generell alle Autoren)
  • geben sich selten Mühe, nur um schnell Bewertungen zu bekommen
  • anspruchslos

FanFictions sind:

  • gut bis ausführlich recherchiert
  • handeln oft davon, jemanden ins Bett zu kriegen
  • schlecht geschrieben bezüglich Rechtschreibung und Zeichensetzung
  • Sex unter minderjährigen Charakteren
  • beinhalten leider recht viele Mar Sues und Gary Stues
  • in kleineren Teilen qualitativ und inhaltlich höherwertig, weil sie nicht institutionell geprüft werden
  • strotzen vor Klischees
  • (positiv) verrückt
  • oberflächlich
  • verharmlosen Gewalt (Stichwort: Vergewaltigung)
  • kitschig
  • nicht korrekturgelesen


Was denkst du über berühmte FanFictions wie zum Beispiel „Shades of Grey“ zu „Twilight“?

Viele können nichts damit anfangen, andere finden die Geschichte toll und denken, dass der Erfolg der Autorin Recht gibt. Sie gönnen der Geschichte den Erfolg und finden es gut, dass sie die Möglichkeiten zeigen, die FanFictions zu bieten haben. Ein paar Teilnehmer wussten bis vor kurzem nicht, dass die eine Geschichte auf der anderen basiert, aber „es erklärt, warum ich sowohl Edward als auch Christian merkwürdig finde.“

Wieder andere finden es unangemessen, wenn aus einer FanFiction ein eigenes Buch wird – obwohl es auch hier Gegenstimmen gibt, die dafür plädieren, dass diese weit genug vom Original entfernt sein sollte, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Es wird auch betont, dass gegebenenfalls der Wunsch des Autoren respektiert werden sollte, wenn er keine FanFictions zu seiner Geschichte wünscht. Dennoch wird es als große Ehre empfunden, wenn die Geschichte so sehr geliebt wird, dass sich Fans dazu entscheiden, sie weiterzuspinnen und Freude daran haben. Ein Teilnehmer kritisiert zwar, mit einer FanFiction Geld zu verdienen, hätte aber ohne SoG nie von FanFictions gehört, was heute einen wichtigen Aspekt seines Lebens ausmacht.

Manche Teilnehmenden kritisieren SoG nicht dafür, eine FanFiction zu sein, sondern welche Werte vermittelt werden und empfinden den romantisierten, emotionalen Missbrauch als sehr problematisch.

Klar gibt es auch einige, die weder das Original, noch die „FanFiction“ gelesen haben. Als grenzwertig werden FanFictions empfunden, die sich mit Promis beschäftigen, wie zum Beispiel die „After“-Reihe zu „One Direction“.


Was wünscht du dir zukünftig für FanFictions?

FanFictions sollten mehr Akzeptanz unter nicht FanFiction-Lesern und -Autoren finden und nicht „totgeschwiegen“ oder nur belächelt werden. Sie sollten mehr Mut zum Besonderen und zur Individualität bekommen, weniger klischeebehaftet sein und sich ihren Hang zum Experimentellem bewahren. Außerdem wünschen sich die Teilnehmer der Umfrage einen höheren Qualitätsanspruch bezüglich der Grammatik, Rechtschreibung und dem Schreibstil. Auch der Wunsch der Teilnehmer wird offensichtlich, dass sich gern professionelle Autoren aus ihren Reihen hervortun, damit die negativen Vorurteile Stück für Stück verblassen. FanFictions sollen mehr Leute zusammenbringen und diese ermutigen, kreativ zu sein, aber auch mehr Ernsthaftigkeit unter den Autoren und Lesern und damit auch mehr Feedback durch Betaleser, um die Qualität zu steigern und nicht mehr als minderwertig angesehen werden.

An die FanFiction-Foren/-Plattformen geht die Bitte nach besseren Filter- und Sortier-Optionen, damit es einfacher wird, zu finden, was persönlich gefällt. Damit zusammenhängend auch einen besseren Überblick darüber, ob eine Geschichte bereits beendet wurde, bevor man anfängt, zu lesen.

Inhaltlich werden gerne mehr fremde Welten, aber dennoch mehr originale Plots und Charaktere gesehen, dabei darf gern eine gewisse Nähe zur originalen Welt bestehen, von der man sich gerne lösen darf. Gleichzeitig wird mehr Canon Awareness gefordert. Wie man sieht, es darf bunt sein bei den FanFictions ;-)

Prinzipiell gibt es auch Vorschläge, an der Uni Seminare einzuführen, die sich auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema beschäftigen. Auch, dass Leser wieder mehr Feedback geben und nicht nur konsumieren und somit die Autoren motivieren. Die Geschichten sollen nicht als selbstverständlich angesehen werden, sondern als Arbeit wertgeschätzt. Und dass schließlich auch Autoren der Originale die Arbeit wertschätzen und tolerieren und die Spielwiese für Autoren und Leser weiterhin besteht und kommerzfrei bleibt.


Out of Topic

Vermutlich gibt es in jeder Umfrage einige Antworten, auf die der Fragensteller nicht gekommen ist, weil sie teilweise banal sind. Weil ich beim Lesen einiger Antworten manchmal schmunzeln musste, möchte ich sie euch nicht vorenthalten.


Wenn ja, wo liest du FanFictions?

  • Internet
  • zu hause
  • am PC oder auf dem eBook-Reader
  • Highlander, Star Gate, Harry Potter, Tolkien (Hobbit, Herr der Ringe), Biss, FanFictions zu bestimmten Musicals


Wenn ja, wo veröffentlichst du deine FanFictions?

  • Gar nicht/nirgends
  • auf besonderen Wunsch wurde eine Kurzgeschichte geschrieben und auf Bookrix veröffentlicht
  • ab und zu ja
  • heute ist das FanFiction Schreiben eher zu einer Art Schreibübung geworden
  • „ja, is aber scho bisl her“



Tinka Beere liebt es, in andere Welten einzutauchen, und schreibt Geschichten mit einem fantastischen Touch. Darüber hinaus begeistert sie der Austausch mit anderen Autoren, denen sie mit hilfreichen Tipps gerne zur Seite steht.

  


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