Samstag, 29. April 2017

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in der Literatur



Heute gibt es für euch, dort vor euren Bildschirmen, mal einen (leicht überarbeiteten) Ausschnitt aus meiner Bachelorarbeit. Gerade arbeite ich nämlich auf Hochtouren an einer neuen Artikelreihe: „Philosophie und das Schreiben“ soll sie wohl heißen. Ihr dürft also gespannt sein, wie die altehrgebrachten, aber auch die modernen Philosophen über das Schreiben, die verschiedenen Künste an sich und auch über den Begriff der Schönheit und Erhabenheit dachten.

Ab nächsten Monat geht es los. Ich hoffe, ihr seid genauso gespannt wie ich! 


 

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in der Literatur¹

Wenn es um das Verhältnis von Wissenschaft und Literatur geht, zeigt vor allem, „das im 19. Jahrhundert entstehende Genre der Science Fiction […] exemplarisch den Einfluß wissenschaftlicher Ideen und Technologien auf die literarische Phantasie.“² Dieser Einfluss entspringt den technischen Neuerungen und der Furcht davor, was diese in der Zukunft anrichten könnten. Auch heute noch arbeiten Autoren von Science-Fiction-Romanen mit ebendiesen Ängsten. Während das Genre der Science-Fiction im 19. Jahrhundert etabliert wurde, lässt sich der Beginn popkultureller Schilderungen von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Betrachtungsweisen dieser Schilderungen umfassen radikale Ablehnung, vorbeugende Bejahung und auch alle Zwischentöne. Der Zwiespalt zwischen mangelnder Moral und Genialität ist allerdings gängige Praxis. „Die Wissenschaft wird als geheimnisvolles und geheimes Regelwerk gesehen, in das einzudringen nur wenigen Auserwählten vergönnt ist, deren Genialität ständig in Gefahr steht, in Wahnsinn umzuschlagen.“³ Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen wird somit immer die Rolle des Grenzgängers zuteil. Dies hat zur Folge, dass sich das sowieso schon problematische Verhältnis zwischen der Allgemeinheit und den Wissenschaften noch verschlechtert. Dennoch muss festgehalten werden, dass es kein einheitliches Bild von wissenschaftlichen Mitarbeitern gibt. Am populärsten ist allerdings der sogenannte „mad-scientist“, der alles Negative verkörpert, was in und durch die Wissenschaft geschehen könnte. Er gilt als verrückter Eigenbrötler, der sich in wissenschaftlichen Absurditäten verliert. Dieser Typus des mad-scientist ruft immer wieder starke und öffentliche Kritik aus den Reihen der Wissenschaftler hervor. Er dient als Reflektor der gesellschaftlichen Angst und als Warnfigur und zeigt sich in diesen beiden Aspekten vor allem in seinem „Streben nach Prestige und Erfolg, [nach der] Erkenntnis als [… höchstes] Gebot […], [aber auch durch mögliche] Größenfantasien, [dem drohenden] Kontroll- und Realitätsverlust, [sowie in der] Blindheit gegenüber allfälligen Gefahren“⁴. Marcel Ch. LaFolette (1990)⁵ entwickelte vier Stereotypen von Wissenschaftlern, 1.) den Zauberer (magician, wizard), 2.) den Experten (expert), 3.) den Schöpfer bzw. den Zerstörer (creator, destroyer) und 4.) den Helden (hero).

„Wenn die Wissenschaftler als Zauberer beschrieben wurden, erschienen sie auf rätselhafte Weise klug, besaßen heimliche Kenntnisse und hatten eine beachtliche Macht über die Natur. Als Experten wussten sie alles und konnten gebeten werden, ihre Kenntnisse mit der Gesellschaft zu teilen. Als Schöpfer und Zerstörer trugen sie Verantwortung, sowohl positiv als auch negativ, für die Ergebnisse ihrer Forschungen. Als Helden verbanden sie einen optimistischen Glauben an eine bessere Zukunft mit einer unersättlichen Wissbegierde, Rastlosigkeit, dem Forschungsdrang und der Fähigkeit, neue Pfade zu erforschen.“⁶

Nach LaFolettes Ansicht kann nicht nur jedem der Stereotypen eine bestimmte soziale Rolle zugewiesen werden, sondern auch ein damit verbundenes kulturelles Ansehen. Noch heute besitzen sie Gültigkeit, können aber modifiziert und spezialisiert werden. Die Figur des Wissenschaftlers wird in der erzählten Welt mit einer Ausstrahlung der Divergenz und sozialer Inkompetenz ausgestattet. Zudem ist er meist hochintelligent, unstillbar neugierig, hat eine ungewöhnlich große Ausdauer sowie Konzentration und trägt einzelne „Züge von Skurrilität, Kauzigkeit und Egozentrik“⁷ in sich. Diese Eigenschaften sind für sich alleinstehend weder positiv noch negativ zu bewerten und können genauso Probleme schaffen, wie sie diese lösen. Sie zeugen von der „populären Vorstellung von Wissenschaft als Drahtseilakt zwischen geistiger Brillanz und Wahn, zwischen Segen und Bedrohung.“⁸


1 Vgl.: Junge/Ohlhoff, 2004, S. 7-22; Frizzoni, 2004, S. 23-37.
2 Schmitz-Emans, 2008, S. 42.
3 Junge, Ohlhoff, 2004, S. 18.
4 Frizzoni, 2004, S. 36.
5 Vgl.: LaFolette, 1990 (zit. nach: Pansegrau, 2009, S. 375).
6 Ebd.
7 Frizzoni, 2004, S. 25.
8 Ebd., S. 25. 


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Zum Weiterlesen:




Jenny bloggt außerdem auf https://jennifergreve.wordpress.com/



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